Dienstag, 29.12.2020 18:56 Uhr

Irans Umzingelungsstrategie Saudiarabiens ausgeweitet

Verantwortlicher Autor: Ronaldo Goldberger Jerusalem, 21.12.2020, 19:14 Uhr
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Jerusalem [ENA] Ähnlich wie Israel, dem Teheran den Tod durch Atomwaffen schwört, umzingeln im Kampf um die nahöstliche Vorherrschaft iranische Stellvertretermilizen, deren militärische Schlagkraft zum Teil erheblich sind, Saudiarabien. Neuerdings wird das wahhabitische Königreich nicht nur vom südlichen Jemen her, aus dem die Huthis wirken, sondern auch von schiitischen Milizen aus dem nördlich gelegenen Irak her bedroht.

Der schiitische Iran hat sich über Jahre hinweg aus Angst vor amerikanischen Reaktionen zurückgehalten, aus dem von ihm unterwanderten Irak gegen das führende sunnitische Saudiarabien in Stellung zu gehen. Nachdem allem Anschein nach US-Präsident Trump das Weisse Haus verlassen muss, verlässt sich Teheran auf seinen prädestinierten Nachfolger Biden, der das alte Nuklearabkommen wiederbeleben möchte. Damit würde Iran in den Stand versetzt, seine bedrohliche Kulisse nicht bloss gegen den jüdischen Staat, sondern auch gegen seinen sunnitischen Hauptwidersacher auszubauen. Der Druck Teherans gegen Riad, das auf der Schwelle zur Offizialisierung vertiefter strategischer Zusammenarbeit zu Jerusalem steht, soll diese Beziehung kappen helfen.

Hightech-Mauer gegen Invasoren

Es stellt ein schlechtes Omen für die regionale Stabilität dar, wenn nun schiitische, Teheran-hörige Milizen aus Irak, die - parallel zu den regelmässig Raketen- und Drohnenattentate aus dem Hinterhalt verübenden Huthi-Milizen im Jemen - grossflächig die Wüstenprovinzen von Al Nadjaf und weitere durchforsten, um sich militärisch neu anzuordnen. Ziel ist, Saudiarabien mittels Zangengriff unter ständiger Bedrohung zu halten, um regionale Ansprüche Irans nachdrücklich zu unterstreichen. Die „Belagerung“ oder Drangsalierung der über 800 km langen Grenze zwischen Irak und Saudiarabien ist nicht ganz neu. Als der Bürgerkrieg im Irak tobte, fürchtete sich das Königreich primär vor dem Eindringen von Kämpfern des Islamischen Staats (IS).

Gegen ballistische Geschosse ist die mehrreihig befestigte Grenze zwar nicht gefeit, indes gegen Schmuggel. Vor Jahren schon wurden Zehntausende saudischer Soldaten in den Landesnorden abkommandiert, um IS-Milizen am Eindringen zu hindern. Auch die Grenze zu Jemen ist mit Elektrozäunen abgesichert. Wenn die Lage nun in mehreren Regionen eskaliert, könnte der Königspalast in Riad in grössere Not kommen, war doch der ehemalige US-Präsident Obama im Begriff, die nahöstliche Rang- und Hackordnung in neue Bahnen zu lenken. Mit der Aufwertung Irans stand Saudiarabien in Gefahr, unter die Räder zu kommen. Unter Präsident Trump schien der Prozess dank Kündigung des Atomabkommens sowie der verhängten Wirtschaftssanktionen gegen Iran umkehrbar.

Zuspitzung der Sicherheitslage

Augenblicklich wägt Saudiarabien ab, auf welche Karte es setzen sollte: auf eine Allianz mit Israel, das die Priorisierung der Wertskala selbst unter einem nicht mehr so freundlich gesinnten Joe Biden sicherstellte, oder auf einen wie auch immer gearteten „Ausgleich“ mit dem feindlichen Iran. Die Nichtaktivierung des Bedrohungspotentials seiner schiitischen Milizen an der irakisch-saudischen Grenze könnte der Preis sein, den das Königshaus einzuheimsen in der Lage wäre. Die sich abzeichnende Zuspitzung der Sicherheitslage sowie das Lavieren zwischen den Optionen scheint der Hintergrund für die saudische Zurückhaltung zu sein. In Israel erhofft man sich, dass bis zum Abtritt Trumps die Diplomatie in Form eines Schulterschlusses obsiegt.

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